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M.A.Numminens Neorustikales Tango-Orchester

M.A.Numminen ist seit 1964 also seit 45 Jahren eng mit dem finnischen Tango verbunden. Schon auf seiner ersten Schallplatte die 1966 erschien, war ein Tango mit dabei:"Die Pferde und ich". Charakteristisch für Numminen ist, dass er alle seine Tangoplatten mit Jazzmusikern eingespielt hat, denn so sagt Numminen: "Jazzmusiker spielen den Tango am Besten"!

M.A.Nummines Tango-Orchester ist im Grunde sein Neorustikales Jazzorchester, das seit 1969 unter anderem auch fröhliche Jazzsongs spielt. Noch heute tritt Numminen mit Musikern wie Pedro Hietanen (Akkordeon), Jani Uhlenius (Klavier), Markku Kanerva (Gitarre) und Pekka Sarmanto (Kontrabass)auf. Die Tangolieder werden von der Solistin Sanna Pietiäinen interpretiert. Sie singt hauptsächlich auf Finnisch, aber bei Auslandsauftritten singt sie auch einige Lieder auf Deutsch, Schwedisch, Französisch und Englisch. Der Moderator bei diesen Konzerten ist dann natürlich M.A.Numminen höchst persönlich. Er erzählt über die Geschichten, die Komponisten und Textverfasser der Tangos. Und, singt natürlich seinen legendären Tango "Mit meiner Braut im Parlamentspark" in der jeweiligen Sprache des Publikums.

Das Neorustikale Tango-Orchester zeichnet sich insbesondere durch die rasanten Improvisationen der Musiker aus. Deshalb ist jeder Tangoabend dieses Orchesters einzigartig. Ab und zu gibt es sogar instrumentale Witze in den Solos, und das Publikum kann mit Recht lachen. Sobald die Rhythmus-Sektion sehr energisch wird, kommt das Gefühl auf, man könnte in einem Jazz oder Rockkonzert sein! Auch kommt es vor, dass das Orchester ein Doppelkonzert gibt. Es beginnt mit dem Finn-Tango und endet mit Neorustikalem Jazz. Auf der CD "Ist das Glück nur ein Traum?" (Trikont) ist das Lied "Täysikuu" gleich zweimal, in zwei Tango-Versionen, zu hören. Die Interpretation der Version 1 ist ungleich der Version 2.

Und da es auch in Finnland sehr ungewöhnt, ja man könnte fast sagen, seltsam ist, den Tango auf diese Weise vorzutragen, so spielt das Neorustikale Tango-Orchester meist nur vor einem Konzertpublikum und weniger vor einem Tanzpublikum!

M.A.NUMMINEN UND SEIN NEORUSTIKALES JAZZORCHESTER

M.A.Numminen hat sich in den skandinavischen Ländern eine große Anhängerschaft ersungen.

Aber heutzutage besucht er auch den deutschen Sprachraum und hier mit seiner knarrenden Stimme dann und wann Fernseh- und Rundfunkprogramme bereichtet.

Der Neorustikalismus ist ein Begriff von Herrn Numminen selbst. Dies bedeutet alte Melodien, gespielt mit den finnischen musikalischen Gewürzen. Dafür haben das Akkordeon und die Geige eine wichtige Rolle. Den festen Grund formen das Klavier und der Kontrabass. Zuweilen ergreifft M.A. sein veilgeprüftes Banjo.

Der neorustikale Jazz besteht zum größten Teil aus alten Jazzevergreens, es sind aber auch alte deutsche Schlager von den 20er Jahren in einer improvisatorischen Form mit darunter so etwa “Singing in the Rain (auf Deutsch Im Regen nur zu gehn) und “Amalie geht mit’m Gummikavalier ins Bad”. Im Laufe des Konzerts erweitert sich das Programm: es kommen noch einige Rhythm & Blues-Melodien oder auch finnische Volkslieder mit dazu.

Es handelt sich nicht nur um den humoristischen Gegang, sondern auch die Instrumentalwitze vom Orchester, welches nicht gewöhnlich ist. In erster Linie geht den Musikern darum, daß das Publikum wohl- fühlt und von dem Programm imponiert wird.

M.A.Numminen singt Heinrich Heine

Mauri Antero Numminen, gleichermaßen Multitalent und Kultfigur des finnischen Underground hat mit seiner Erfindung des neorustikalen Jazz erweitert durch den neorustikalen Tango, nun die maschinelle Musik für seine Arbeit entdeckt.

Ausschlaggebend für sein neues Programm jedoch ist Heinrich Heine. Die Idee dazu kam vom Leiter des Berliner Literaturhaus, Ernst Wichner, der mit der Bitte an Numminen herantrat, zum 150 Todestag von Heinrich Heine ein Programm zu machen. Entstanden ist ein sehr eigener Songzyklus, dem 12 Heine Gedichte zu Grunde liegen.

Heine ist für den Mann Finnlands kein unbekannter. Schon in den 60ger Jahren machte sich Herr Numminen Heines Poesie zueigen, um seine Deutschkenntnisse an der Helsinki-Universität zu perfektionieren. Und jetzt mehr als 40 Jahre später sind Heine und die Maschinelle Musik zu einem einzigartigen Experiment verschmolzen. Entstanden ist eine ganz neue Gesinnung: Ein Werk für maschinelle Rythmen und Tonfolgen gepaart mit zwei akustischen Instrumenten, dem Vibrafon und Cello, sowie der unverkennbaren Kiekstimme Numminens und seinem elektronischen Trommelset.

M.A. Numminen hat aus Heines mächtiger Produktion die für ihn passenden Gedichte ausgewählt: Humor, Ironie und Komik sind ausschlaggebend für die gewählten Texte. Die Musik, die er dazu komponiert schwankt zwischen Tango und Walzer, zuweilen zwischen Ambientrock und pseudoklassischem Lied. Und fast sieht es so aus, als sei Heinrich Heines Lyrik fügsam! Für einige Texte, denen Herr Numminen die moderne Mischungstechnik verpasst hat, so wie man das in der so genannten Ambientmusik wieder finden kann, sind die Titel passend gewählt: Trinkwonne, Lieben und Hassen, Glied. Aber auch einige Originaltitel wie Unterwelt, Zum Polterabend oder Der Ex-Lebendige hat M. A. Numminen in seiner ganz eigenen und unverkennbaren Art für sich erobert. Ein unglaubliches Experiment auf das wir äußerst gespannt sein dürfen.

Genau so ungewöhnlich wie MANs Interpretationen sind auch sein Heine-Quartett: Riku Niemi (Kapellmeister), Vibrafon; Riikka Lampinen, Cello; DJ Sane loops, samples und scratch; M.A.Numminen, Gesang und Elektrotrommel. Zur Verfügung auch als Duo.

CDs auf Deutsch von M.A.Numminen:

Dägä Dägä, Trikont, 2001
Ist das Glück nur ein Traum? (Finn-Tangos), Trikont, 2003
M.A.Numminen singt Heinrich Heine (Lieder), Trikont 2006 (nur als Duo)

MUSIKALISCHE LESUNG VON UND MIT M.A.NUMMINEN

Tango ist meine Leidenschaft ist das Tangobuch von M.A.Numminen. Der Kneipenmann ist das Buch über die volkstümlichen Bierkneipen in Finnland von M.A.Numminen.

Obgleich M.A.Numminen in Finnland neben zahllosen Schallplatten, CDs und etlichen Filmen auf ingesamt 12 Buchveröffentlichungen zurückblicken kann, ist seine Erfahrung mit dem, was man in Deutschland unter einer ”Lesung” versteht, gering. In Skandinavien gibt es eine solche Tradition nicht; allenfalls werden Autoren anläßlich von Neuerscheinungen in einer Buchhandlung (wenn sie bekannt sind, wie M.A.Numminen, vielleicht auch im Rundfunk und Fernsehen) interviewt, erzählen ein bißchen von ihrer Arbeit und geben einige Leseproben zum besten.

Lieber als aus einem Buch zu lesen (er tut es zwar, aber als Nicht-Deutschem fällt es ihm natürlich etwas schwerer) erzählt er: von dem Helden seines Romans, von der Geschichte des finnischen Tangos — auf Deutsch selbstverständlich, obwohl das ”nur” seine dritte Fremdsprache ist, und auf sehr lebendiger Art. Der zusätzliche Reiz seiner ”Lesungen” besteht darin, daß er diese gemeinsam mit seinem Begleiter musikalisch gestaltet: mit Beispielen aus der sechzigjährigen Geschichte des finnischen Tangos. Und M.A. — wie man ihn in Finnland einfach nennt — singt! Mit einer Stimme, die es in sich hat. Nicht weil sie so schön ist, sondern wie sie schön kiekst, was es übelmeinenden Kritikern leicht macht, M.A.Numminen zu verreißen, was etwa anläßlich seiner jüngst in Deutschland erschienenen CD Dägä Dägä (Trikont 2001) hin und wieder auch geschehen ist... Jetzt auch CD Ist das Glück nur ein Traum? (Finn-Tangos, Trikont, 2003). Und noch ein wenig klassisch: M.A.Numminen singt Heinrich Heine (Lieder, Trikont 2006)

Ergänzt wird der musikalische Teil des Programms durch Kostproben aus der von M.A.Numminen selbstkreierten Stilrichtung, dem neorustikalen Jazz.

Eine ”Lesung” von und mit Numminen ist eine Show aus texten und Musik, gelesen und vom Blatt ebenso wie frei und improvisiert. Und eine ”Lesung” von und mit M.A. Numminen und Begleiter ist vor allem eins: ganz anders.

Eike Fuhrmann